Worüm ok Platt op Oortsschiller in Sleswig-Holsteen?
Namensformen der Regional- und Minderheitensprachen auf Ortstafeln

1. Der Europarat

Er fordert "den Gebrauch oder die Annahme der herkömmlichen und korrekten Formen von Ortsnamen in Regional- und Minderheitensprachen, wenn nötig in Verbindung mit den Namen in der (den) Amtssprache(n)".

2. Courrier International, euro/topics (press.europ.eu) 12/7/2007

"In the German state of Schleswig-Holstein place-name signs will in future also give the names in the minority languages Danish, Frisian and Low German. "Flensburg will continue to welcome its visitors with the name Flensborg. But it's more about symbolism, respect and tolerance than practical issues."

"Dans le land allemand du Schleswig-Holstein, les panneaux d'agglomération indiqueront bientôt les noms de lieux en danois, en frison et bas-allemand. "Flensburg accueillera bientôt les visiteurs sous le nom de Flensborg. Il s'agit plus d'une question symbolique, de respect et de tolérance que d'une question pratique."

"Im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein werden Ortsschilder künftig auch mit den Ortsnamen in den Minderheitensprachen Dänisch, Friesisch und Plattdeutsch versehen. "Flensburg wird seine Gäste künftig auch als Flensborg willkommen heißen. Dabei geht es mehr um Symbolik, Respekt und Toleranz als um Praktisches."

3. EuroGeoNames (EGN)

Die Europäische Union finanziert ein Projekt EuroGeoNames, in dem alle Ortsnamen Europas in den verwendeten offiziellen Sprachen einschließlich der Regional- und Min-derheitensprachen verzeichnet werden. Die Kosten betragen 1,9 M €. Deutschland bezahlt als größter Nettozahler den größten Anteil. Deutschland stellt außerdem die Projektleitung. Niederdeutsch soll nur aufgenommen werden, wenn - wie beispielsweise bei den Nordfriesen - amtliche Verwendungen erfolgen.

4. UNO-Proklamation zum Spracherhalt: Sprachenjahr 2008

Weltweit sind derzeit einige Tausend kleine Sprachen vom Aussterben bedroht. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat daher das Jahr 2008 zum "Internationalen Jahr der Sprachen" ausgerufen. Ziel ist es, die Sprachen der Welt zu erhalten und den Wert von Mehrsprachigkeit zu unterstreichen. Es mangelt oft an ausreichenden Schutzvorschriften. Wo es sie gibt, mangelt es oft an ihrer Umsetzung.
Vor allem kleine Nationen und die Vertreter von Minderheiten betrachten die Proklamation als eine wichtige Maßnahme, den Fortbestand kultureller Vielfalt zu sichern. In Deutschland stehen fünf Sprachen unter besonderem staatlichen Schutz, darunter das Friesische, das Sorbische und das Plattdeutsche.
Auszug aus der Proklamation: "genuine multilinguism ... promoting, protecting and preserv-ing diversity of languages and cultures ..."
Die UNO-Mitglieder berichten nach Ablauf des Sprachenjahres über ihre Aktivitäten dem UNO-Generalsekretär, dieser berichtet der UNO-Vollversammlung.

5. Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

"Die zweisprachigen Ortstafeln sind ein schöner Beitrag zur Präsenz unserer Sprachenvielfalt im Alltag."

6. Dietrich Austermann, Verkehrsminister des Landes Schleswig-Holstein

"Die Ortstafeln sollen im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Aushängeschild für ein erweitertes und kulturelles Selbstverständnis in Schleswig-Holstein werden".

7. Heinz-Werner Arens, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages a.D.

"Toleranz zeigt sich auch darin, wie Mehrheiten Wünschen von Minderheiten Rechnung tragen."

8. Wolfgang Börnsen (Bönstrup) MdB, Sprecher der Arbeitsgruppe Regional- und Minderheitensprachen des Deutschen Bundestages

"Sprache ist ein kultureller Reichtum, der Identität vermittelt und durch den Minderheitengruppen Eigenständigkeit, Verbundenheit und Zugehörigkeit finden. Diese Kultur zu fördern, ist eine Investition in die Zukunft. Dies gilt in besonderem Maße für die niederdeutsche Sprache. Sie ist besonderer Teil der Kultur unseres Landes. Ob Niederdeutsch ..., Dänisch ..., Romanes ..., Sorbisch ... oder Friesisch ... Für sie alle gilt es, die Muttersprache gleichberechtigt zu fördern."

9. Außenpolitisches Interesse der Bundesrepublik Deutschland

"Die Bundesrepublik Deutschland begrüßt mehrsprachige Ortstafeln im neuen Europa. Europa schaut aber auch darauf, wie Deutschland selber mit Regional- und Minderheitensprachen umgeht. Deshalb besteht ein großes Interesse an mehrsprachigen Ortstafeln im eigenen Land

10. Große Landesversammlung des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes

"Mehrsprachige Ortstafeln sind ein Ausdruck kultureller Vielfalt. Niederdeutsch hat eine europäische Anerkennung erfahren als geschichtlich gewachsene Sprache, die zum kulturellen Reichtum Europas beiträgt. Die Förderung der niederdeutschen Sprache ist eine in der schleswig-holsteinischen Landesverfassung verankerte Pflicht. Hochdeutsch-niederdeutsche Ortstafeln haben somit eine starke kulturelle Signalwirkung für die niederdeutsche Regionalsprache."

11. Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein

"Neueste Ergebnisse der Marktforschung bestätigen, dass es gegenwärtig, künftig sogar verstärkt, ein besonderes Verlangen der Gäste sein wird, das Authentische eines Urlaubslandes erleben zu wollen. Mit zunehmender touristischer Globalisierung wird jedoch auch die Austauschbarkeit von Hotelanlagen, Gastronomiebetrieben und ganzen Urlaubsdestinationen immer größer.

Eine große Chance für den Tourismus in Schleswig-Holstein liegt in der besonderen Hervorhebung der Traditionen, des Unverwechselbaren. Somit kann ich das Projekt der "Zweisprachigkeit" auf Ortsschildern nur unterstützen, verbunden mit der Hoffnung, dass dieses nur ein Baustein von weiteren Maßnahmen ist, unsere Gäste mit den Traditionen unseres Landes vertraut zu machen.

Der Erfolg des Biikebrennens an der Nordsee zeigt in aller Deutlichkeit, wie ein derartiges Angebot als Magnet für einen Kurzurlaub in Schleswig-Holstein wirken kann."

12. In Schleswig-Holstein: Wie Friesisch und Dänisch, so auch Niederdeutsch

In Schleswig-Holstein sind die friesischen Ortsnamen in Nordfriesland schon zusätzlich auf den Ortstafeln. Im Kreis Schleswig-Flensburg kommen jetzt zusätzlich die dänischen auf die Tafeln. Warum sollten die niederdeutschen im übrigen Schleswig-Holstein ausgenommen sein?

13. Wo Sprachrückgang am größten, dort die meisten Maßnahmen nötig

"Je mehr eine Sprache zurückgegangen ist oder zurückgeht, umso dringender sind Maßnahmen zu ihrer Erhaltung. Ein wichtiges kulturelles Signal sind Ortsnamenzusätze auf Plattdeutsch (gerade auch am Hamburger Rand Holsteins), Dänisch (gerade auch im grenzferneren Schleswiger Land) und Friesisch (gerade auch auf dem nordfriesischen Festland)."
Deshalb sind in Nordfriesland, wo im Durchschnitt nur noch 5-6 % der Bevölkerung Friesisch sprechen, die Ortsschilder schon fast flächendeckend mit friesischen Ortsnamenzusätzen versehen. Auch in der Lausitz gibt es dort sorbische Ortsnamenzusätze, wo kaum noch Sorbisch gesprochen wird. Sie werden dort als am dringlichsten angesehen.

14. Dr. Claus Schuppenhauer, Geschäftsführer a.D. des Instituts für niederdeutsche Sprache

"Es war eine Forderung des Europarats, Verschwisterungsschilder an den Ortseingängen aufzustellen, der die Kommunen nachgekommen sind. Dass auch die neuere Forderung des Europarats, Ortsnamenzusätze in Regional- und Minderheitensprachen auf Ortstafeln anzubringen, in Schleswig-Holstein ernst genommen wurde, ist der Stormarner Aktivität und Überzeugungskraft zu verdanken."

15. Klaus-Peter Puls, Reinbek, Niederdeutschsprecher im Landtag SH

"Plattdüütsche Oortsschiller sünd en Bispill dorför, dat wi Politikers uns Regionalspraak nich blot mit Paragrafen in uns Lannsverfaten wohren un vöranbringen wüllt, sünnern dat wi uns Vörschriften ok ümsetten doot. Wat in Neddersassen för Plattdüütsch al praktizeert warrt, geiht nun ok in Sleswig-Holsteen los. Dat freit mi, un ik gah dorvun ut, dat bald ok bi mi in Süüdstormarn de een or anner Gemeen sik nich mehr blot hoochdüütsch, sünnern ok plattdüütsch wiesen deit."

16. Rainder Steenblock MdB, Schleswig-Holsteinischer Umweltminister a. D.

"Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer erfolgreichen Arbeit zur niederdeutschen Sprachpflege. Mit ihrer Initiative zur weiteren Verbreitung von mehrsprachigen Ortsschildern setzen Sie nicht nur Signale. Es ist mehr, denn jedes einzelne mehrsprachige Schild trägt zur Information und Bildung bei. Auch ich persönliche lerne beim meinen Reisen durch solche mehrsprachigen Schilder."

17. Fortschrittsbericht an den Europarat

Die Landesregierung meldet in regelmäßigen Abständen in einem Bericht den Fortschritt der Umsetzung ihrer Maßnahmen an den Generalsekretär des Europarates. Der für die Regional- und Minderheitensprachen eingesetzte Sachverständigenausschuss des Europarates prüft und kommentiert den Bericht. Bericht und Kommentar werden dem Generalsekretär des Europarates vorgelegt.

Zusammenstellung: Heinrich Thies

Stand 28.12.2007